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Wirtschaftlichkeit 0:1 Diversität

Wenn Dinge schief gehen, so bringen sie manchmal doch etwas: Erkenntnis, Erfahrung und in diesem Fall hohe Diversität. 
Ich hab mit diesem Versuch lange gerungen, seit Februar überlege ich: umbrechen? stehen lassen? 
Das Konzept klingt erstmal richtig gut: eine Sommerung im Herbst zusammen mit mehreren Zwischenfrüchten gesät - die abfrostenden Pflanzen sollen als Schutz für die Kulturpflanze dienen (in dem Fall Mariendistel, die in der Medizin verarbeitet wird) und gleichzeitig im Frühjahr das Bodenleben füttern.
Wenns um sowas geht, bin ich dabei - auch wenn bis jetzt niemand damit Erfahrungen hat.
Um jetzt aus dem (wirtschaftlichen) Misserfolg auch tatsächlich zu lernen, ein Versuch der Erkenntnis: 
1. Mariendisteln brauchen halbwegs gute Böden. Da sind Schotter-Sand-Böden mit 15 Bodenpunkten vielleicht nicht die richtige Wahl, auch wenn diese paradoxerweise inzwischen halbwegs humos sind.
2. Die Wahl der Zwischenfrüchte sollte bei einer Aussaat Mitte September dann doch eher auf möglichst schnellwachsende aber sicher abfrostende Komponenten ausgelegt sein.
3. Ja, ein bisserl Regen im Frühjahr hätte auch nicht geschadet und die Bestockung befeuert, aber die Aussaatstärke war zu niedrig. 
Und was jetzt? Anfang Juni umlegen und noch mit Hirse mein Glück versuchen? Ich habe mich heute dagegen entschieden, falls ich die Fläche als nicht erntetauglich einstufe, sehe ich es als Bodengesundungsjahr. Mariendisteln sind nicht nur Medizin für den Menschen, sondern auch für den Boden, so scheints. Zumindest gilt sie als hervorragende Vorfrucht. Und: es summt und brummt wie sonst nur was auf dem Acker. Distel, Phacelia, etwas Rettich und auch der Klatschmohn (den hat keiner angebaut, dem gefällts scheinbar so) blühen, bald wohl dann die Sommerwicke.
Ja, den Begriff „abfrostend“ müssen wir hier neu definieren, nicht erst heuer. 
Es braucht eine neue Form der Landwirtschaft. Divers wie diese Fläche wirtschaftlich nutzbar, das hätte schon was.