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Keine Bodenbearbeitung nach der Rapsernte?

Nach der Ernte beginnt sich beim Landwirt das Rädchen von vorne zu drehen, welche Kultur folgt auf die geerntete? Welche Maßnahmen sind bis zur neuerlichen Aussaat notwendig, welche Ziele möchte man erreichen?

Bei uns folgt auf Winterraps grundsätzlich Winterweizen, dadurch ergibt sich in einem normalen Jahr ein Zeitfenster von Mitte bis Ende Juli (Ernte des Raps) bis in etwa Mitte Oktober (Anbau des Winterweizen). Dies ist das weiteste Zeitfenster, das wir in unserer Fruchtfolge haben, es gilt also die Zeit sinnvoll zu nutzen.

Was sind unsere Ziele nach der Rapsernte:

  1. Den Ausfallraps zum Auflaufen bringen
  2. Pilzinfektionen vom Raps möglichst effektiv am Überdauern hindern
  3. Eine möglichst geringe Nitrifizierung im Boden verursachen
  4. Das Bodengefüge möglichst wenig beeinflussen

Die landläufige Meinung sagt: möglichst schnell, möglichst flach den Boden bearbeiten und dadurch den Ausfallraps zum Keimen bringen. Seit einigen Jahren verzichten wir aber bereits auf diese Maßnahme sondern mulchen die Rapsstängel mit einem Sichelmulcher, und das aus verschiedenen Überlegungen. 

  • 1. Laut Studien fallen bei normalen Druschbedingungen in etwa 4000 Körner/m2 (!!!) aus, zum Vergleich: wir säen 40-50 Körner/m2 beim Anbau von Raps - das Samenpotential ist also nach der Ernte 100 mal höher als bei der Aussaat. Es ist also die erste Aufgabe von uns, diese Samen möglichst schnell zum Auflaufen oder Absterben zu bringen. Dies gelingt am besten, wenn die Samen oberflächlich abgedeckt werden. Bei einer Bearbeitung mit dem Grubber gelangen viele der Samen auch in Saattiefen tiefer als 5cm, dort besteht die Gefahr einer Keimruhe. Die Samen keimen also nicht gleich, sondern erst dann, wenn sie wieder in seichtere Bodenregionen gebracht werden. Wird der Boden gar nicht bearbeitet oder eben die Rapsstengel nur abgemulcht, bestehen die besten Chancen möglichst viele Rapssamen zum Keimen oder absterben zu bringen.
  • 2. Auch bei diversen Pilzinfektionen besteht die größte Chance auf Bekämpfung, wenn die Sporen noch an der Oberfläche bleiben und nicht in den Boden eingearbeitet werden. Im Idealfall sporen diese Infektionen noch im Herbst aus - zu diesem Zeitpunkt können sie in der Folgekultur keinen Schaden anrichten.  Gerade heuer konnten wir auf einigen Feldern verstärkt den Befall mit Sklerotinia feststellen. Diese Infektion ist auf dem folgenden Bild schön erkennbar, die schwarzen, kotähnlichen Kügelchen in der aufgebrochenen Wurzel zeigen den Befall sehr schön an.
  • 3. Im Bild weiter oben sieht man sehr gut, wie sich die Bodenbearbeitung auf die Nitrifizierung im Boden auswirkt. Gerade nach Raps und vor Weizen ist dies von Bedeutung, da der Boden relativ lange ohne einer Folgekultur bleibt. Außerdem setzen die abfallenden Rapsblüten nach Ende der Blüte beim Abfallen große Mengen Stickstoff frei der ungenutzt in den Boden geht. So sind die ohnehin großen Nmin-Werte im Boden auch ohne Bearbeitung erklärbar. Diesen Effekt sollte man möglichst nicht mit einer Bodenbearbeitung verstärken, im Idealfall würde eine Zwischenfrucht diesen Stickstoff speichern.
  • 4. Einer unserer wichtigsten Wirtschaftsgrundlagen lautet "Das wichtigste Bodenbearbeitungsgerät ist das Hirn des Bauern". Aus unserer Sicht würde eine Bodenbearbeitung direkt nach Ernte nur einen Vorteil bringen: Die Bekämpfung von Unkräutern. Da wir dazu aber nach Raps gut 2 Monate Zeit haben, wollen wir im ersten Schritt das Bodengefüge nicht unnötig stören.

Dazu passend möchte ich auf eine Veranstaltung des Bildungszentrums Mold hinweisen, das diesen Samstag stattfindet. Dabei geht es vor allem auch um eine möglichst flache, effektive Bearbeitung nach der Ernte um die Ausfallsamen zum Auflaufen zu bringen:

 

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