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Winterweizen - Sortenversuch 2016

Im Herbst 2015 haben wir auf einem unserer Felder einen Weizensortenversuch mit 6 verschiedenen Qualitätsweizen angebaut. Dazu bewogen haben uns die Probleme mit unseren langjährigen Stammsorten Antonius und Adesso, beide Sorten gehören zu den großen Verlierern in der Sortengesundheit der letzten Jahre.

Grund dafür ist eine neue, durch die Witterung von England nach Mitteleuropa gebrachte, Gelbrostpopulation. Dieser neue Stamm trägt bezeichnenderweise den Namen "Warrior" und hat zu großen Problemen bei zahlreichen Weizen- und Triticalesorten geführt, die sich inzwischen auch in der Sortenbeschreibung der AGES wiederspiegeln. 
Da es unserer Betriebsphilosophie entspricht, möglichst viele chemische Pflanzenschutzmaßnahmen einzusparen und auf gesunde Sorten zu setzen, war die Situation mit den Sorten Antonius und Adesso für uns in den Jahren 2014 und 2015 nicht mehr zufriedenstellend. Zwar ist Gelbrost eine Infektion die, wenn rechtzeitig erkannt, relativ einfach und günstig bekämpft werden kann - zwei Fungizidmaßnahmen im Trockengebiet sind aus unserer Sicht aber nicht zielfürend. In beiden Jahren gab es zahlreiche Biolandwirte, die ihre Felder nicht zur Ernte brachten. Der Gelbrost hat die Weizenpflanzen zum Teil bereits vor der Kornausbildung so stark befallen, dass keine Assimilationsfläche mehr blieb und die Pflanzen abstarben. Als Biolandwirt kann man in so einem Fall nur zusehen, konventionellen Landwirten bleibt wie bereits erwähnt die Möglichkeit einer chemischen Pflanzenschutzmaßnahme.
Wir haben heuer auf einem Feld mit der Sorte Adesso (Restsaatgut ist noch vorhanden und daher begleitet uns die Sorte noch bis zur Ernte 2017 auf Teilflächen) einen Versuchsstreifen ohne Fungizidbehandlung gelassen. Die beiden folgenden Bilder zeigen die Wirksamkeit eines Fungizids bzw. bereits großteils abgestorbene Pflanzen ohne Behandlung am gleichen Feld und direkt an der Trennlinie fotografiert, die beiden Fotos sind also nur 1 Meter entfernt aufgenommen.

Extrem starker Gelbrostbefall auf einer bewusst unbehandelten Kontrollfläche am 18. Juni 2016 bei der Sorte Adesso

Nur einen Meter von der Kontrollstelle entfernt: die gleiche Sorte nach einer Fungizidbehandlung (am selben Tag aufgenommen)

Bereits im Vorjahr haben wir die in Österreich neu registrierte Sorte Bernstein getestet und uns über die äußerst unproblematische Kulturführung gefreut, selbst ohne chemische Maßnahmen blieb die Sorte lange gesund, lieferte einen hohen Ertrag und gute Qualitäten. Leider handelt es sich bei "Bernstein" aber um einen Kolbenweizen, also eine Weizenart ohne Grannen. Diese Sorten haben den Nachteil, dass sie für Wildschweine sehr interessant sind. Halten die Grannen bei Grannenweizen die Schweine davon ab, in die Felder zu gehen und das Getreide umzubrechen,sind Kolbenweizen als Futterstätte durchaus beliebt. 
Daher fällt Bernstein auf zahlreichen von Wildschweinen gefährdeten Feldern aus, wir brauchen eine zweite Sorte, die Grannen hat und in der Gesundheit und Qualität unseren Anforderungen entspricht.
Unsere Zielsetzung für den Versuch:
  • alle Sorten am gleichen Tag unter gleichen Bedingungen am selben Feld ausgesät
  • jede Versuchsfläche ist gleich groß und mit knapp einem ha auch aussagekräftig
  • jede Sorte wurde in gleicher Saattiefe und mit jeweils 350 Körnern pro m2 ausgesät
  • Dadurch sind aufgrund des unterschiedlichen Tausendkorngewichts die Aussaatgewichte unterschiedlich und schwanken zwischen ca 150 und 175kg
  • keine chemischen Maßnahmen mit Ausnahme der Unkrautbekämpfung
Den letzten Punkt konnten wir leider nicht einhalten, aufgrund der Witterung und der sehr guten Entwicklung im Frühling haben wir uns spät zu einer Halmverkürzung entschieden, um Lagergetreide (das Umfallen der Pflanzen) zu verhindern. Aus heutiger Sicht war das auch zwingend notwendig, sollten die Regenschauer andauern, wird es auch für unser Versuchsfeld eng, einzelne Sorten lagern schon etwas.

Die Bilder zeigen die einzelnen Sorten, jeweils fotografiert am 18. Juni (zweites und drittes Bild)und 5. Juli (erstes Bild mit Sortenschild).
  • als erstes zeigen die Bilder oberhalb die Sorte Laurenzio, ein Grannenweizen der zwar bei Gelbrost die gleiche Bewertung wie Adesso hat, sich aber bei Kollegen deutlich gesünder gezeigt hat
  • die Bilder unterhalb zeigen die Sorte Genius, ein deutscher Kolbenweizen der ein möglicher Konkurrent zu Bernstein ist
  • Als dritte Sorte sieht man oben die Sorte Emilio, eine sehr robuste Sorte der Saatzucht Edelhof - also aus dem Waldviertel
  • unten steht als Vergleichssorte die bereits bekannte Sorte Bernstein, im Versuch vor allem auch angelegt um eine Referenz zu haben. Bernstein zeigt sich auch heuer wieder sehr gesund
  • eine relativ junge Sorte ist der Tobias, ein Weizen mit sehr hohen Qualitätsmerkmalen der in Deutschland aufgrund der hohen Gesundheit als Bioweizen vertrieben wird
  • als letztes haben wir eine eigentlich bewährte Sorte in unserem Gebiet gewählt, Midas hat bereits große Anbauflächen im Wald- und Weinviertel. Auf unserem Betrieb steht er aber erstmalig, da wir bisher auf die beiden Sorten Adesso und Antonius gesetzt haben
Mit der Gesundheit aller Sorten waren wir, vor allem im Vergleich zu unseren auslaufenden Sorten und in Betracht der vielen Regenfälle dieses Jahr, sehr zufrieden.
Wie die Erträge und Qualitäten der einzelnen Sorten ausfallen, werden wir auf unserer Seite im Weblog veröffentlichen, sobald die Ernte abgeschlossen ist.

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